Freiburger Stadtkurier vom 19.3.2009
U2: No Line on the HorizonIsland (Universal)
Der erfolgreichste Exportartikel Irlands ist nicht etwa das Guinness, sondern die Band U2 Den vier Musikern aus Dublin gelang 1983 mit dem Album "War" der Durchbruch, danach machten sie Millionenumsätze und überraschten immer wieder aus Neue mit einer Platte, die beim ersten Mal gewöhnungsbedürftig und schließlich als hymnisch empfunden wurde. In die Tradition der Innovationsfreude und Unabhängigkeit reiht sich auch das neue zwölfte Studienalbum "No Line on the Horizon" ein. Wer noch von U2s experimenteller Phase der 90er Jahre schwärmt, auf ungewohnte Beats und mit Pathos vorgetragenen sozialkritischen Texten steht, sollte hier zugreifen und den Cover-Blick auf den Bodensee genießen.
Freiburger Stadtkurier vom 26.2.2009
Razorlight: Slipway FiresMercury (Universal)
Wer schafft es, nur mit Klavier, Gitarre, Percussion und drei Akkorden aus dem Stand heraus einen Top-Ten-Hit zu landen? Die Antwort liefern Razorlight mit ihrer neuen Single "Wire to Wire". Endlich ist auch das dazugehörige dritte Album mit dem Namen "Slipway Fires" des britisch-schwedischen Quartetts hier erhältlich. Ob es an den Nummer Eins Erfolg aus 2006 anknüpfen wird, ist zwar fraglich, da die Experimentierlust der Brit-Pop-Band nun wesentlich deutlicher zu spüren ist. Von Balladen, über Funk zu beinahe aggressivem Rock ist alles vorhanden. Als Konstanten bleiben aber die variantenreiche Stimme Johnny Borrells und die anrührenden Song-Texte.
Freiburger Stadtkurier vom 20.11.2008
Dido: Safe Trip HomeRCA INT. (Sony BMG)
"Ich hatte keine Eile, ein neues Album zu produzieren", sagte Dido in einem Interview - und das merkt man ihrem neuen Album "Safe Trip Home" an. Es fällt wesentlich ruhiger aus als ihre letzte, mehrfach Platin-gekrönte Erfolgsplatte "Life For Rent", die vor fünf Jahren erschienen war. Das Bekenntnis, kein Engel zu sein ("No Angel") hatte die britische Sängerin und Songwriterin 1999 bekannt gemacht. Angesichts ihrer vielen Talente fällt es schwer, das zu glauben. Dido spielt die meisten Instrumente selbst, textet die Lieder und hat auch bei der Produktion fest mitgemischt. Aber ihre Stimme ist so kristallklar, ihr Auftreten so ehrlich, dass man ihr am Ende alles abnimmt. Dass sie Musik, insbesondere Orchester studiert hat, merkt man. Die Arrangements ihrer neuen Lieder sind perfekt. Fast zu intellektuell, mögen viele sagen. Es ist halt kein Album für die Schnelle. Besonders Ausdauernde sind mit der Deluxe-Version mit drei Bonus-Tracks und einem Video sehr gut bedient.
Freiburger Stadtkurier vom 13.11.2008
Reamonn: ReamonnIsland (Universal)
Ihr Debüt feierte die deutsch-irische Band vor acht Jahren. Mit "Supergirl" und den darauf folgenden Hits gewannen sie mehrmals Platin. Mit ihrem gleichnamigen fünften Album folgen Reamonn nun der Stimmung des Konzerts, dass sie für Barack Obama im Rahmen seines Berlin-Besuchs spielen durften. Die Shooting-Stars von damals rocken etwas ruhiger, aus Jungs sind Männer geworden. Nicht nur die erste Single-Auskopplung "Through The Eyes Of A Child" speist sich aus den neuen Erfahrungen des Familienvaters und Bandleaders Rea Garvay. Der hatte damals, von Irland nach Deutschland kommend, ganz naiv eine Anzeige geschaltet und so seine Band zusammen gesucht. Kaum zu glauben, aber es passt zur Obama-Euphorie, dass die ersten Schritte dieser großen Karriere im beschaulichen Munzingen bei Freiburg gelegt wurden. Am 21. Januar konzertieren Reamonn in der Rothaus-Arena. Ob es wieder Blumen auf die Bühne regnet? - Es würde zum neuen Album passen.
Freiburger Stadtkurier vom 4.12.2008
Snow Patrol: A Hundred Million SunsPolydor (Universal)
Wer sich an Coldplay schon satt gehört hat, sollte es einmal mit dem neuen Album von Snow Patrol versuchen. Der schottisch-irischen Band sind auch nach den beiden Hit-Alben Final Straw und Eyes Open die Ideen nicht ausgegangen. In "A Hundred Million Suns" bekommen wir sentimentale bis rockige Song zu hören, die wie einst "Chasing Cars" und "Shut Your Eyes" ins Ohr gehen, aber auch neue Tonexperimente, die nicht nur auf Harmonie gebaut sind. Wieder ist Frontman Gary Lightbody für die meisten - oft melancholischen - Texte verantwortlich, die auch allesamt im CD-Booklet abgedruckt sind. Die größte Herausforderung erwartet den Hörer am Schluss: der letzte der elf Songs dauert satte 16 Minuten, was man eigentlich nur Gruppen wie Pink Floyd und Marillion erlaubt. Wer allerdings seine Karriere als Support von U2 startete, darf auch das wagen. Insbesondere das CD-Cover ist absolut Weihnachtsgeschenk tauglich.
Freiburger Stadtkurier vom 30.10.2008
Maria Mena: Cause And EffectSmi Col (Sony BMG)
Sie ist weder blond, noch blauäugig und hat doch etwa Elfenhaftes an sich. Als "Norwegens schönste Stimme" wurde sie gefeiert und bezauberte im vergangenen Sommer mehr als tausend ZMF-Besucher. Maria Mena ist erst 22 Jahre alt und vermittelt doch den Eindruck, als habe sie die Welt schon gesehen. Zärtliche Balladen, humorvolle Gute-Laune-Songs und rockige Tanznummern wechseln sich ab. Eine große Portion Exotik bewahrt die Sängerin und Songschreiberin davor, in Kitsch abzudriften. Ihr erstes Album, das vor drei Jahren erschien, erreichte hierzulande Gold-, in ihrer Heimat sogar Platinstatus. Das neue namens "Cause And Effect" hat beste Chancen, an diesen Erfolg anzuknüpfen.
Freiburger Stadtkurier vom 9.10.2008
The Script: The ScriptPhonogenic (Sony BMG)
Sie werden als Newcomer des Jahres gefeiert, die drei jungen Männer aus Irland. Ihr Debütalbum, das wie ihr Bandname "The Script" lautet, gelangte europaweit gleich ganz oben in die Charts. Die Stimme des Bandleaders erinnert im Top-Ten-Hit "The Man Who Can't Be Moved" an Sting, kann aber auch rau klingen. In der nächsten Erfolgssingle "We Cry" sind deutlich die Hip-Hop-Einflüsse zu hören. Auf dem Album dominieren Balladen, wie wir sie von U2 kennen, die auch gerne ihre Heimat besangen. In Dublin, so lernen wir, liegen Glück und Unglück sehr nah beieinander. Die Musiker bezeichnen ihren Stil gerne als "Celtic Soul" - und das trifft es auch ganz gut.
Freiburger Stadtkurier vom 18.9.2008
Queen & Paul Rodgers: Des Cosmos RocksParlophone (EMI)
Manche nannten es Leichenfledderei, als Brian May und Roger Tayer mit alten Queen-Hits und ohne ihren legendären Band-Leader Freddie Mercury wieder auf Tour gingen. Für viele Fans ging aber ein großer Wunsch in Erfüllung, als 2005 Paul Rodgers als neuer Sänger zu den beiden verbliebenen Musikern stieß. An den Verstorbenen reicht der keineswegs divenhafte Rodgers zwar nicht heran, aber er hat mit seinem ganz eigenen Stil auch Skeptiker in den Bann gezogen. Mit dem Aufwärmen alter Kamellen hat das erste Studioalbum - es ist Freddie Mercury gewidmet - jedenfalls nichts zu tun. 14 eigenen Kompositionen finden sich auf der CD. Eingefleischte Queen-Fans sollten gleich zur Deluxe-Version mit Doppel-CD und DVD greifen - da gibt's dann auch die alten Klassiker im neuen Kleid.
Freiburger Stadtkurier vom 11.9.2008
Eva Cassidy: SomewhereBlix Stree (rough trade)
Stars wie Katie Melua nennen sie als Vorbild: Die 1996 verstorbene Eva Cassidy hat nicht nur Stücke von Sting und andere Klassiker wunderschön gecovert, sondern auch selbst komponiert und getextet. Vielseitigkeit war ihre Spezialität. Ob Folk, Soul, Blues oder Jazz - mit ihrer eindrucksvollen Stimme gab sie jedem Lied einen ganz eigenen Anstrich, der fast immer unter die Haut geht. Mit "Fields of Gold" und "Imagine" hat sie sich posthum in die Herzen aller Balladen-Fans gesungen. Zeitlos schön sind diese Songs, sparsam instrumentiert und harmonisch arrangiert. Wer meint, vom Klassiker "Summertime" könne es gar keine neue Version mehr geben, sollte sich vom neuen Album der Ausnahme-Sängerin überraschen lassen. Die nun unter dem Titel "Somewhere" vereinigten 12 Songs sollten eigentlich gar nicht veröffentlicht werden. Gut, dass die Familie der jungen Sängerin sich nun doch anders entschieden hat!
Freiburger Stadtkurier vom 28.8.2008
Gabriella Cilmi: Lessons To Be LearnedIsland (Universal)
Und schon wieder verhilft ein Werbesong einer Künstlerin zum Durchbruch: "Sweet about me" umweht zur Zeit auch die Ohren jener, die ein anderes Deodorant benutzen. Wer Gabriella Cilmi dann zum ersten Mal zu Gesicht bekommt, wird stutzen - sie sieht ja gar nicht aus wie sie singt! Die erst 16jährige Australierin mit der Soul-Stimme einer reifen Erwachsenen zeigt auf ihrem Debut-Album, dass sie noch mehr angenehme Überraschungen auf Lager hat. Wie ihr Charts-Hit haben auch die anderen Songs hohen Unterhaltungswert, sind sogar diskotauglich und auf jeden Fall all denen ans Herz gelegt, die eine schweißtreibende Arbeit mit anspruchsvoller Gute-Laune-Musik aufpeppen wollen.
Freiburger Stadtkurier vom 14.8.2008
Maná: Arde el cieloWmi (warner)
Spanien- und Lateinamerika-Urlauber aufgepasst: Maná, das Quartett aus Mexico, hat ein Live-Album produziert. Wer meint, es handele sich hier um alte Hüte, hat nur ein bisschen recht. Natürlich wurden bei dem Konzert in Puerto Rico -um dessen Mitschnitt handelt es sich- sämtliche Hits wie "En el muelle de San Blas" und "Corazón espinado" gespielt. Die hören sich allerdings vor dem Hintergrund des mitfeiernden Publikums und aufgrund der Experimentierfreudigkeit der Musiker anders an, als wir sie aus dem Radio kennen. Die Jungs beweisen, dass sie mit ihren Instrumenten umgehen und im Zweifelsfall auch auf die Elektronik verzichten können. Ein neuer Song ist auch dabei. Vor bösen Überraschungen ist man dennoch gefeit, denn wie immer geht's auch da um die See, den Mond und die Wellen. Damit taugt das Album auch für Daheimgebliebene. Satte 29 Lieder und eine DVD gibt es für das Geld.
Freiburger Stadtkurier vom 3.7.2008
Sara Bareilles: Little VoiceSmi Epc (Sony BMG)
In einem Interview sagte Sara Bareilles, dass sie am liebsten im Wald oder auf einem Berg Klavier spielen und singen würde. Beim Anhören ihres neuen Albums Little Voice kann man sich diese Szenerie gut vorstellen, so pur und natürlich klingt es. Mit der Single "Love Song" schaffte die junge Amerikanerin den weltweiten Durchbruch. Aber auch alle anderen Lieder haben das Zeug zu einem Pop-Hit: gute Texte und eingängige Melodien, dazu eine wunderbare Stimme, die alles andere als klein ist. Wer den Soul von Norah Jones, das Klavierspiel von Tori Amos und die Musik von ihrem Vorbild Elton John mag, macht sich mit dieser CD eine Freude.
Freiburger Stadtkurier vom 29.5.2008
Mick Hucknall: Tribute to Bobbysimplyred.com
Allen, die darum trauern, dass sich Simply Red im nächsten Jahr mit einer Welttournee endgültig verabschieden wollen, sei das erste Solo-Album ihres kreativen Kopfes Mick Hucknall ans Herz gelegt. "Tribute To Bobby" - gemeint ist die Blueslegende Bobby "Blue" Bland - hält, was es verspricht: Soulklassiker wie "Cry, cry, cry" oder "Lead on me" in einer wunderschön verwandelten Neuauflage. Die Reise in die Welt des Blues und Jazz erinnert zwar allenfalls an die Anfänge von Simply Red. Mick Hucknall beweist aber, dass seine Stimme auch mit fast 50 Jahren noch voll wandlungsfähig und dass er mit Intensität und Leidenschaft dabei ist. "Ich tu's für mich", soll Hucknall dazu gesagt haben. Alte - und neue Fans - können froh sein, dass er es trotzdem als Album produziert hat - und traurig darüber, dass es nur 12 Songs sind. Ein kleiner Wermutstropfen ist die Bonus-DVD mit dem Making-Of, auf der auch Bobby Bland -natürlich lobend- zu Wort kommt.
Freiburger Stadtkurier vom 23.5.2008
3 Doors Down: 3 Doors DownUniversal
Jetzt können wir endlich wieder mit guter Mucke zum Joggen aufbrechen! Die fünf Amerikaner von 3 Doors Down liefern uns mit ihrem gleichnamigen, diese Woche erschienenen Album den passenden Beat und gute Texte. Wer nach ihrem Top-Ten-Hit "Here without you" dachte, die Jungs könnten nur Schmuseballaden, wird hier eines Besseren belehrt. Rockig geht's da zu - aber natürlich auch sanft. Den Mainstream verlassen sie nur selten, aber das schadet nicht. So ist für jeden etwas dabei: Songs über Liebe, Freundschaft und Patriotismus, die sowohl Frauen wie auch Männer ansprechen. Und natürlich können sich Sportmuffel das Album auch gut auf dem Sofa anhören.
Freiburger Stadtkurier vom 8.5.2008
Yaël Naïm & David Donatien: Yaël NaïmWmi (Warner)
Der Song für das neue Apple-McBook hat sie weltberühmt gemacht. Auf ihrem gleichnamigen Album zeigt Yaël Naïm nun, dass sie noch viel mehr draufhat. Die Lieder der 29jährigen Sängerin und Songwriterin, die zwischen ihrer Heimat Israel und Frankreich pendelt, kommen leicht und locker daher. Damit eignen sie sich bestens für jede Grillparty. Mitwippen, Tanzen, Lauschen - alles möglich. Es handelt sich um Ethno-Pop vom Feinsten. Gesungen wird auf hebräisch, französisch und englisch, gespielt, auf allem, was Töne macht. Und Augen-Menschen sollten sich unbedingt auch das Video zu "New Soul" ansehen, denn das ist (noch) besser als der Werbespot.